Frohe Botschaft für 2018: Schlechte Führungskräfte haben keine Zukunft mehr!

Es wird in den Nachrichten immer wieder berichtet: Es fehlt nahezu in jeder Branche an Fachkräften. Und der Bedarf daran werde noch zunehmen. Wenn ich jetzt sage, dass das klar war, dann schütteln viele den Kopf, weil man das doch nicht kommen sehen habe können. Wer habe gewusst, dass die deutsche Wirtschaft derart brumme und die Arbeitslosenzahlen derart niedrig seien und dass – zum Beispiel im Baugewerbe – viele Aufträge liegen bleiben, weil es an den geeigneten Fachkräften fehle? Doch das ist seit mindestens 18 Jahren klar, nur viele – auch in den sich gern auf die Schulter klopfenden Konzernzentralen – haben gepennt.

Denn der Wirtschaftsboom hat nur etwas verstärkt, was demografisch längst jedem hätte klar sein müssen. Bitte vergegenwärtigen Sie sich zwei Geburtsjahrgänge: 1964 erblickten 1.357.304 Kinder das Licht der Welt (Ex-DDR und Ex-BRD gemeinsam), 2013 waren es nur noch 682.069 Kinder, also rund die Hälfte. Wenn also die 1964 Geborenen 2031 ihren gesetzlichen Ruhestand (nach derzeitigem Rentenrecht mit 67 Jahren) beginnen, können die von ihnen eingenommenen Arbeitsplätze nur noch zur Hälfte von den 18-Jährigen, die theoretisch in den Arbeitsmarkt kommen, wieder besetzt werden, die andere Hälfte ist nicht mehr da. Und nachgebären geht nicht. Und der Geburtenjahrgang 2013 ist kein Ausrutscher, sondern die Regel (2009 waren es nur 665.126 und 2015 waren es 737.575 Kinder.)

Wenn Ihnen also die Politik mehr Lehrer/innen, mehr Polizist/inn/en, mehr Erzieher/innen, mehr Altenpfleger/innen, mehr Handwerker/innen, mehr Ingenieur/innen, mehr Ärzt/inn/e/n etc. verspricht, frage ich: „Wo sollen die her kommen?“ Denn Zuwanderung wollen ja viele Menschen auch nicht, obwohl zum Beispiel die geflüchteten Menschen, sofern uns deren rasche Integration gelingt, eine große Chance darstellen, dieses Problem zu minimieren. Und ein Einwanderungsgesetz scheint ebenso noch ein Fremdwort zu sein.

Gerade die (alten) Männer in der AfD und in der CSU wollen keine Zuwanderung. Sie wollen, dass unsere Frauen wieder mehr Kinder bekommen. Aber wollen das „unsere“ Frauen auch? Und selbst dann, wenn mehr Kinder geboren werden: In Deutschland mangelt es massiv an Kinderärzt/inn/e/n, Erzieher/innen und Lehrer/innen. Wie gestalten wir also eine Gesellschaft, in der sich nicht nur durch die Digitalisierung, sondern auch durch die Demografie unglaublich viel verändern wird? Aber war das ein Thema in dem vergangenen Bundestagswahlkampf? Da hieß es doch „Weiter so!“.

Wenn die Fachkräfte also nicht mehr so auf der Straße stehen und darauf warten eingestellt zu werden, dann wird die Bindung des gegenwärtigen Personals, deren Fortbildung, Entwicklung und Gesunderhaltung zu den großen Herausforderungen für die Führungskräfte. Nicht mehr der Arbeitgebende entscheidet künftig, ob jemand bei ihm arbeitet, sondern der Arbeitnehmende entscheidet, wo er unter welchen Bedingungen beschäftigt sein möchte. Diejenigen Führungskräfte, die nicht mit Menschen umgehen können, werden also künftig niemand mehr haben, den sie schikanieren können. Und auch Mobbing hat keine Zukunft, weil es mehr denn je, auf das Klima im Team am Arbeitsplatz ankommen wird. Denn jeder Mensch wird gebraucht.

Die Arbeitgebenden, die hier zu spät kommen, werden vom Leben bestraft. Und nicht nur die. Denn die Währung der Zukunft lautet Talent und nicht mehr Abschlusszeugnis.

Als Jugendlicher Nazi und Skinhead, heute evangelischer Pfarrer – eine Geschichte aus dem Leben

Wer Johannes Kneifel kennenlernt, der kommt gar nicht auf den Gedanken, dass er sich mal in der Szene von Skinheads und Rechtsradikalen herumgetrieben hat, oder dass er zehn Jahre im Gefängnis gesessen hat, weil er im Suff einen Menschen erschlagen hat. Heute schämt er sich, wenn er daran denkt, „dass ich früher das Euthanasieprogramm der Nazis für behinderte Menschen befürwortet habe, nur weil ich als Sohn behinderter Eltern mein eigenes Leben irgendwann nur noch als unerträglich empfand“.

Seine Eltern waren beide in einer für ihn wichtigen Lebensphase mit ihrer eigenen sehr schwerwiegenden Behinderung beschäftigt, so dass sie für ihn und seine beiden Geschwister keine Zeit, keinen Blick und auch kein Verständnis aufbringen konnten. Hilfen haben sich die Eltern aber auch nicht geholt. Sie wollten es selbst schaffen und waren überfordert.

Der jugendliche Johannes suchte sich eine neue Familie und fand sie bei den Skinheads. Er kleidete sich wie sie, benahm sich wie sie und tat, was sie halt so taten. Das war nun seine Familie, hier wurde er aufgenommen, fand die Geborgenheit, die er zu Hause nicht fand – aber auch nicht in der Schule, der Kirche, einem Verein, der Nachbarschaft, der Gemeinschaft. Es haben viele weggesehen. Und dann erschlug er einen Menschen.

Heute ist er evangelischer Pfarrer, reist herum, spricht von sich selbst, berichtet von seinem Leben und von der Umkehr in seinem Leben. Wie alles begann? „Mit dem Kochen von Kaffee für die Gefängnisgottesdienste.“ Der Gefängnisseelsorger sei jemand gewesen, der nicht fragte, der ihn als Menschen so annahm wie er war – bedingungslos. Das kannte Johannes nicht.

Noch vor wenigen Jahren, so berichtet Johannes Kneifel in seinem Buch „Vom Saulus zum Paulus“ (Wunderlich-Verlag) hätten die Eltern alles getan, um ihre Kinder vor mir zu schützen – jetzt vertrauen sie mir ihre Kinder an, das Wertvollste, was sie haben“. Dieses Vertrauen mache ihn glücklich. Pastor sei sein Traumberuf.

Sein Fazit: „Gott hat mir vergeben, die Gesellschaft hat mir eine neue Chance gegeben, und ich selbst bin ebenfalls dabei, Frieden mit meiner Vergangenheit zu machen. Ich kann mein Leben wieder genießen und andere Menschen schätzen mich und meine Arbeit.“

Mein Fazit: Was alles möglich ist, wenn man den Menschen im Menschen sieht und wenn man weiß, dass jeder irgendwo einen Platz braucht, dazugehören will. Ausgrenzen und das Anderssein betonen, hilft nicht wirklich weiter. Das belegt das Beispiel von Johannes Kneifel sehr nachdrücklich. Es aktualisiert auf wundersame Weise den Kern von Weihnachten.

Ein Weihnachtsmärchen vom Auszug aller Ausländer

Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten, spät abends. Über den Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer: „Ausländer raus!“ Steine flogen in das Fenster des südländischen Ladens. Dann zog die Horde ab. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Bürgerhäusern waren schnell wieder zugefallen. Niemand hatte etwas gesehen.

„Los kommt, es reicht, wir gehen!“ „Wo denkst du hin! Was sollen wir denn da unten im Süden?“ – „Da unten? Das ist immerhin unsere Heimat. Hier wird es immer schlimmer. Wir tun, was an der Wand steht: Ausländer raus!“

Tatsächlich, mitten in der Nacht kam Bewegung in die kleine Stadt. Die Türen der Geschäfte sprangen auf: Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihren Weihnachtskleidungen. Sie wollten nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann kam der Kaffee, palettenweise, das Lieblingsgetränk der Deutschen! Dabei waren Uganda, Kenia und Lateinamerika seine Heimat.

Ananas, Orangen und Bananen räumten ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika.

Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf: Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne, die Gewürze in ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Dresdner Christstollen zögerte. Man sah Tränen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: „Mischungen wie mir geht’s besonders an den Kragen“. Mit ihm kamen das Lübecker Marzipan und der Nürnberger Lebkuchen. Nicht Qualität, nur Herkunft zählte jetzt.

Der Verkehr brach an diesem Tag zusammen. Lange Schlangen japanischer Autos, vollgestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik, krochen gen Osten. Am Himmel sah man die Weihnachtsgänse nach Polen fliegen, auf ihrer Bahn gefolgt von den feinen Seidenhemden und den Teppichen des fernen Asien.

Man musste sich vorsehen um nicht auszurutschen, denn von überall her quollen Öl und Benzin hervor, flossen aus Rinnsalen zu Bächen zusammen in Richtung Naher Osten. Aber man hatte ja Vorsorge getroffen. Stolz holten die großen deutschen Autofirmen ihre Krisenpläne aus den Schubladen: der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden. Wozu ausländisches Öl?! – Aber die VWs, BMWs, AUDIs und MERCEDES’ begannen sich aufzulösen in ihre Einzelteile. Das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien, der Naturkautschuk nach Zaire. Und die Straßenecke hatte mit dem ausländischen Asphalt im Verbund auch immer ein besseres Bild abgegeben als heute.

Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, der Auszug geschafft, gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Nichts Ausländisches war mehr im Land. Aber Tannenbäume gab es noch, auch Äpfel und Nüsse. Und „Stille Nacht“ durfte gesungen werden – zwar nur mit Extragenehmigung, denn das Lied kam aus Österreich.

Nur eines wollte nicht ins Bild passen: Maria, Josef und das Kind waren geblieben. Drei Juden. Ausgerechnet. „Wir bleiben“, sagte Maria, „wenn wir aus diesem Lande gehen – wer will ihnen dann noch den Weg zurück zeigen, den Weg zurück zu Vernunft und Menschlichkeit?“

(nach Helmut Wöllenstein)

GroKo – will ich nicht. Meine Gründe!

Heute beschloss der SPD-Vorstand, dass die SPD mit den Parteien CDU und CSU sondieren soll, ob es erneut zu einer Regierungskoalition kommen soll und kann oder auch nicht.

Ich bin eindeutig dagegen.

Der wichtigste Grund: Stellen Sie sich vor, die Regierung (CDU/CSU und SPD) erklärt im Deutschen Bundestag ihre Position zu einem politischen Sachverhalt. Es ist traditioneller Brauch, dass im Anschluss daran die größte Oppositionspartei als erste spricht. Das wäre dann die AfD. Das bedeutet, dass wir zu den besten Sendezeiten in allen Nachrichtensendungen stets die Meinung der AfD hören. Die Gefahr, dass sich rechtspopulistisches Gedankengut schleichend in die Köpfe der Bürgerschaft einträufelt, ist groß. Nur wenige in der Politik haben bisher kommunikative Wege gefunden, dem geeignet zu begegnen. Die kleineren Oppositionsparteien werden weniger Opposition zur Regierung als zur AfD demonstrieren. Das will ich nicht.

Der zweitwichtigste Grund: Diese Parteien vereinen nur noch 53 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen. Zuvor waren es rund 67 Prozent. 14 Prozent verloren – und dann „Weiter so!“. Sie haben unser Land nicht wirklich nach vorn gebracht, haben ihre Mehrheit nicht genutzt, innovativ Zukunft zu gestalten, haben noch nicht einmal ein gemeinsames Bild einer Zukunft unseres Landes entwickeln können. Jetzt vier weitere Jahre Stillstand? Österreich hatte das Jahrzehnte. Folge: Dort sitzen die Rechtspopulisten bald in der Regierung. Das will ich nicht.

Der dritte Grund: Beide Parteien haben keine zündenden Ideen, wie sie unser Land zukunftsfest machen wollen. Die Mega-Herausforderungen „Demografischer Wandel“, „Digitalisierung“, „Klimawandel“ und „Migration“ werden weder in Zusammenhang gebracht und gedacht noch mutig angegangen. Politik als Verlängerung der Vergangenheit zu betrachten, reicht nicht mehr. Begeisternde Visionen: völlige Fehlanzeige. Ich will nicht vier weitere Jahre Durchwursteln.

Fazit: Wir müssen lernen, dass unser Parteiensystem vielfältiger und bunter wird. Wir müssen lernen, dass manchmal auch eine schlechte Regierung eine bessere ist, als gar keine. Wir müssen lernen, dass die Stabilität des politischen Systems künftig auch mit Mehr-Parteien-Koalitionen oder mit Minderheitsregierungen möglich sein kann. Sicher: es ist nicht mehr so einfach und bequem. Wir müssen wieder lernen, dass es die Aufgabe des Bundestages ist, Politik zu gestalten, weniger eine Aufgabe von „Elefantenrunden“ der Parteivorsitzenden. Das kann der Bundestag – möglicherweise mit wechselnden Mehrheiten. Aber warum auch nicht? Das ist seine Aufgabe, dafür werden die Abgeordneten gewählt und bezahlt. Dann hätte ein innovatives, modernes Einwanderungsrecht vielleicht eine reelle Chance.

Das Grundgesetz sieht vor, dass im Bundestag drei Wahlgänge zur Wahl einer Kanzlerin / eines Kanzlers notwendig sind. Im dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit. Dann liegt es am Bundespräsidenten, ob er die oder den gewählten Kandidaten ernennt (und die oder der seine Regierung) oder ob er den Bundestag auflöst. Neuwahlen will Frank-Walter Steinmeier nicht. Schließlich kann man nicht wählen, bis das Ergebnis passt.

Ich finde, dass eine Minderheitenregierung besser ist als eine Große Koalition. Und niemand hindert die gewählte Kandidatin oder den gewählten Kandidaten daran, auch Minister aus anderen Parteien zu ernennen, um im Bundestag mehrheitsfähiger zu werden. Kluge und gute Leute gibt es in (fast) allen Parteien. Mehr Mut zu Veränderungen ist gefordert.